Chapter Heidelberg- Anfang
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Wie alles begann

- Dipl.-Ing. Wolfram Asprion
von Wolfram Asprion,
Diplom-Ingenieur im Ruhestand, verheiratet, vier Kinder, Leiter der Gruppe Heidelberg der "FGBMFI – Christen im Beruf" seit ihrer Gründung im März 1977.
Das Heilige Jahr 1975, ein Jahr der Umkehr und Versöhnung,
begann für mich damit, daß ich am Silvesterabend um Mitternacht meine letzte Zigarre rauchte.
Wir waren in einem Familienferienheim in Todtnauberg zum Schilaufen. Ich hatte 22 Jahre geraucht, erst Zigaretten, dann Zigarren. Doch als mein Vater zwei Monate vorher an Herzinfarkt gestorben war, brachte mich dies zur Besinnung, und als einer meiner Vorgesetzten mir zehn Flaschen Wein anbot, wenn ich aufhöre zu rauchen, sagte ich zu. Den Drang zu rauchen versuchte ich mit Hustenbonbons, Salzstangen und Kaugummi zu unterdrücken.
Kaum waren wir wieder zu Hause, las ich in der Zeitung, daß Heinz Pietuchowski, Religionslehrer an der Gewerbeschule, am 24.01. im Haus der Begegnung, Merianstraße 1, einen Vortrag halten würde mit dem Thema
Charismatische Erneuerung – neue Hoffnung für die Kirche?
Ich verstand zwar das Thema nicht, aber weil ich den Redner kannte als Bildungswerksleiter der Pfarrgemeinde St. Bonifaz und weil es mich irgendwie hinzog, bin ich zu diesem Vortrag gefahren. Er sprach selbst gar nicht viel, sondern legte bald eine Kassette auf, auf der ein Theologieprofessor namens Heribert Mühlen im Dom von Paderborn eine Predigt hielt. Darin erklärte er, daß eine neue Epoche des Glaubens begonnen habe. Das, was Papst Johannes XXIII der Katholischen Kirche gewünscht hatte bei der Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils, nämlich ein neues Pfingsten, das sei nun Wirklichkeit geworden, ausgehend von Pittsburg, PA, wo eine Gruppe von Professoren und Studenten der Duquesne-Universität ein ganzes Jahr lang gebetet hatte um eine Ausgießung des Heiligen Geistes. Bei einem Wochenendseminar erlebten sie tatsächlich, daß der Heilige Geist auf sie herabkam. Sie fingen an, in Sprachen zu reden, die sie nicht gelernt hatten und die sie auch nicht verstanden, und wenn sie Kranken die Hände auflegten und für sie beteten, wurden sie geheilt! Dabei handelte es sich um Charismen, d.h. Gnadengaben bzw. Gaben des Heiligen Geistes, wie sie auch in der Bibel aufgeführt sind. Diese Erfahrung habe sich über Amerika ausgebreitet und sei nun auch zu uns gekommen nach Europa und nach Deutschland als eine Bewegung des Heiligen Geistes. Das faszinierte mich, das fand ich stark. Heinz Pietuchowski ließ dann Bücher herumgehen, in denen man mehr darüber lesen könne. Ich schrieb mir die Titel, Verfasser und Verlage auf und bestellte sie alle in Schloß Craheim bei Schweinfurt, einer ökumenischen Begegnungsstätte für die charismatische Erneuerung in Deutschland.
Im April konnte ich meine erste Dienstreise nach Rom machen. Am 12.04. besuchten wir die Katakomben und dann die Peterskirche, die einen überwältigenden Eindruck auf mich machte. Wegen des Heiligen Jahrs war die Heilige Pforte geöffnet, und ich hatte gehört, daß man einen besonderen Segen bekommt, wenn man durch sie hindurch geht. Ich wollte diesen Segen haben, und so bin ich etwa zehn Mal hintereinander durch sie hindurch gegangen.
H err Pietuchowski lud mich ein zur Gründung eines Gebetskreises in einer Privatwohnung. Die Teilnehmer waren hauptsächlich diejenigen Ehepaare, die kurz zuvor Paderborner Jugendliche aus dem Gebetskreis von Prof. Mühlen beherbergt hatten, die wiederum Herr Pietuchowski eingeladen hatte, um an Heidelberger Schulen im Religionsunterricht Zeugnis davon zu geben, wie sehr sie die Charismatische Gemeindeerneuerung verwandelt hatte. Wir unterhielten uns lange darüber, was man denn in einem Gebetskreis alles machen könnte. Schließlich schlug jemand vor, daß wir uns an den Händen fassen und ein Vaterunser beten könnten. Das taten wir auch und fanden es (für den Anfang) ziemlich eindrucksvoll. Wir trafen uns alle 14 Tage abwechselnd in den Familien und in einer Kirche. Dabei sangen wir Lobpreislieder, lasen Bibelstellen, sprachen darüber und lernten auch, frei zu beten.
Für mich gab es allerdings eine längere Unterbrechung, weil ich wegen zu niedrigen Blutdrucks auf Grund des Nikotinentzugs eine Kur bekam, dann eine Nachkur zu Hause und anschließend meinen Sommerurlaub. Im Oktober flog ich mit einem Kollegen nach Kalifornien, wo wir verschiedene Firmen besuchten. Am Sonntagmorgen schaltete ich im Hotel in San Francisco den Fernseher ein und sah dort einen Prediger, der die Zuschauer einlud , mit ihm den 23. Psalm zu betrachten, um zu erleben, wie schön dieser ist. Ich war tatsächlich so davon beeindruckt, daß ich zu Hause die Bibel aus dem Bücherschrank nahm, wo sie wohl verwahrt stand von einem Weihnachtsfest zum andern, und den 23. Psalm in Deutsch las, und wieder hat er mich sehr beeindruckt. Im Gebetskreis bei Pietuchowski am 04.12. beteten wir auf meinen Wunsch den 23. Psalm, indem wir uns die Hände reichten. Es war der letzte Gebetsabend, bevor ich am 10.12. zum Schloß Craheim fuhr zu dem Seminar
"Neues Leben im Heiligen Geist"
von dem ich im Gebetskreis gehört hatte. Unterwegs im Auto war mir klar, wenn dort wieder von Umkehr und Versöhnung die Rede sein sollte, wie schon so oft im Laufe dieses Heiligen Jahres, ist das nichts für mich. Denn wenn ich umkehren, d.h. einen anderen Weg gehen würde, ich, der jeden Sonntag in die Kirche geht und sogar mitarbeitet in der Pfarrgemeinde, dann wäre das doch gerade falsch. Immer, wenn über Umkehr gesprochen wurde, wußte ich also, das gilt nicht mir, sondern den anderen.
Beim Begrüßungsabend waren etwa 50 Leute versammelt. Einige erkannte man schon an der Kleidung, 7 kath. Priester und 5 Klosterschwestern, von denen einige an der Synode in Würzburg teilgenommen hatten. Ferner gab es eine Gruppe von Baptisten aus Mülheim an der Ruhr, Methodisten aus Pfullingen mit ihrem Pfarrer und mehrere aus der Ev. Landeskirche mit einem Pfarrer. Wir sangen einige rythmische Evangeliumslieder, begleitet von der methodistischen Schwester Lore Scheurer auf der Gitarre. Dabei spürte ich, daß diese Lieder uns eins machten, so daß diese konfessionellen Unterschiede keine Rolle mehr spielten. Dann gingen wir in die Weinstube, um den guten Frankenwein zu probieren. Dabei fragte mich ein evangelischer Lehrer von behinderten Kindern aus Würzburg, was ich mir von dem Seminar erhoffe. Ich sagte: "Ich erhoffe mir, dabei die Geisttaufe zu empfangen, von der ich in den Büchern aus Schloß Craheim gelesen hatte". Er erwiderte: "Wenn Sie das wollen, müssen Sie erst einmal Ihr Verhältnis zu Jesus Christus in Ordnung bringen". Da war ich platt. Ich dachte, wie kann der so etwas zu mir sagen, der kennt mich doch gar nicht. Aber irgendwie ließ der Satz mich nicht mehr los. Als ich im Bett lag, dachte ich die halbe Nacht darüber nach, was denn mit meinem Verhältnis zu Jesus Christus nicht in Ordnung sein könnte. Ich erforschte mein Gewissen und kam schließlich auf die Idee, ich könnte ja wieder einmal beichten. Katholische Geistliche gab es ja genug unter den Teilnehmern. So fragte ich am anderen Morgen einen von ihnen, und er willigte ein in ein Beichtgespräch in seinem Zimmer. Gefühlsmäßig erleichtert war ich danach jedoch nicht. Wir hörten Vorträge über die Gaben des Heiligen Geistes nach 1 Kor 12,8-10 und über die Früchte des Heiligen Geistes nach Gal 5,22-23. Abends war nach dem Gottesdienst Gelegenheit, nach vorn zu gehen an den Altar, um mit sich beten zu lassen um Erfüllung mit dem Heiligen Geist und allen diesen Gaben. Dies war die erste derartige Gelegenheit, die sich mir bot und die ich gesucht hatte, und trotzdem spürte ich, ich kann da nicht hingehen. Irgend etwas in mir hinderte mich daran, und ich wußte nicht, was es ist. Ich brachte das Problem am anderen Morgen zur Sprache in einer kleinen Gruppe mit Pfarrer Albert Schmitt, einem der beiden Leiter des Seminars, der von Prof. Mühlen dorthin delegiert war, aber auch da bekam ich keine befriedigende Antwort. Statt dessen erfuhr ich die Nöte der anderen, z.B. von einer Amtsrichterin aus Frankfurt, daß sie familiär wie beruflich in einer völlig heidnischen Umgebung lebte. So ging ich nach dem Mittagessen in eine kleine Kapelle, die ich im 2. Stock entdeckt hatte, um für diese Frau zu beten. Ich kniete da noch keine 5 Minuten, als ich spürte, daß ich mich auf den Boden legen sollte. Genieren brauchte ich mich nicht, ich war ganz allein in dieser Kapelle. Als ich da lag, brach ich auf einmal in Tränen aus und erlebte die Gegenwart Gottes wie nie zuvor. Gott redete sogar zu mir durch die innere Stimme und sprach: "Das, was verkehrt gewesen ist in deinem Leben, ist, daß du alles, was du gemacht hast, getan hast aus eigener Überlegung und eigener Kraft, und du hast es getan um deiner Anerkennung willen. Du hast sogar die Dinge, die du für die Kirche getan hast, getan um deiner Anerkennung willen. Du hast deine Ehre gesucht und nicht Meine Ehre". Ich wußte, daß dies wahr ist, und so erlebte ich meine eigene Erbärmlichkeit, Schwäche und Ohnmacht unter Tränen am Boden liegend. Das war eine schwere Stunde. Es war Gott selbst, der mich nach einiger Zeit tröstete und sagte: "Dies ist eine Gnadenstunde, die dir geschenkt wird, weil viele Menschen für dich gebetet haben von deiner Geburt an". Da fiel mir wieder ein, daß schon bei meiner Geburt ein ganzes Franziskanerinnenkloster für mich gebetet hatte und daß wohl auch meine Mutter mich Gott aufgeopfert hatte. Nach einiger Zeit kam mir in den Sinn, daß Paulus irgendwo geschrieben hatte (es steht in Römer 12,1), daß man seinen eigenen Leib Gott aufopfern solle >als ein Ihm wohlgefälliges Opfer<. So breitete ich am Boden liegend die Arme aus wie Jesus am Kreuz und betete: "Vater, ich opfere Dir jetzt meinen Leib auf mit allen seinen Begierden, so wie Jesus seinen Leib Dir aufgeopfert hat. Nimm Du mich ganz hin und mache Du mit mir, was Du willst." Ich wußte nicht, was jetzt geschehen würde. Ich hatte Angst gehabt vor einer solchen Entscheidung, denn wenn man sich ganz Gott ausliefert, weiß man ja nicht, was Gott hinterher mit einem macht. Vielleicht würde er mich nach Afrika in die Wüste schicken wie Carlo Caretto, dessen Buch "Wo der Dornbusch brennt" ich kurz zuvor gelesen hatte. Was würde dann aus meiner Familie? Oder würde ich jetzt sterben? Ich spürte eine große Wärme wie von Feuer, und irgendwie bin ich auch gestorben. Der alte Mensch in mir ist gestorben gemäß Eph 4,22-24, und ich erlebte eine neue Geburt gemäß Gal 2,19b-20:
>Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.< Außerdem erlebte ich eine Befreiung von Leidenschaften und Begierden gemäß Gal. 5,24: >Alle, die zu Jesus Christus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.<
Diese Bibelstellen habe ich jedoch erst später gefunden. Wir hörten weitere Vorträge. Pfarrer Schmitt sagte einmal: "Sie werden alle Multiplikatoren, die das, was Sie hier erfahren haben, anderen weitergeben." Ich schaute mich um und dachte, na ja, die anderen vielleicht schon, aber ich doch nicht. Pfarrer Bittlinger war von Nairobi, Kenia, zurückgekommen und berichtete von der Tagung des Weltkirchenrates, an der er teilgenommen hatte. Nach dem Gottesdienst war wieder Gelegenheit, nach vorn zu gehen, um mit sich beten zu lassen. Dieses Mal konnte ich gehen. Ich übergab kniend vor allen mein Leben Jesus Christus und bat die Brüder und Schwestern, für mich zu beten um Erfüllung mit dem Heiligen Geist und allen seinen Gaben. Zuerst betete der reformierte Pfarrer Marcel Dietler aus Niedau bei Bern, der andere Leiter des Seminars, unter Handauflegung: >Das Opfer, das Gott wohl gefällt, ist ein zerknirschter Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht verschmähen.< Es war Ps 51,19, wie er mir später sagte. Ich hatte ihm jedoch nichts erzählt von dem, was ich nachmittags erlebt hatte. Irgendwie mußte Gott es ihm gezeigt haben. Dann kam jener ev. Lehrer behinderter Kinder aus Würzburg, legte mir die Hände auf und betete den 23. Psalm
>Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln< auswendig in voller Länge. Auch ihm hatte ich nicht gesagt, daß der 23. Psalm damals der einzige war, der mir überhaupt etwas bedeutete. Als er an die Stelle kam >Und muß ich auch wandern durch finsteres Tal, so fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir; dein Stecken und Stab trösten mich<
Da spürte ich, daß etwas in mich einströmte vom Kopf bis zu den Zehenspitzen, eine Mischung aus Wärme und Elektrizität, und mir war bewußt , daß ich diesen Hirtenstab jetzt brauchte, um wieder aufzustehen und wieder laufen zu lernen, so zerbrochen war ich, der gemeint hatte, Umkehr nicht nötig zu haben. Ich war halb benommen und nahm gar nicht mehr wahr, was die dritte Person, eine Klosterschwester, über mir betete. Man führte mich in die Bank zurück, und ich betete dort – erfüllt von einer Mischung aus Liebe, Freude, Frieden, den ersten drei der Früchte des Heiligen Geistes, wie ich sie noch nie erlebt hatte, - ein neues Gebet für andere Menschen. Es begann bei der eigenen Familie, den Nachbarn, der Pfarrgemeinde, der Stadt Heidelberg und ging dann wie in konzentrischen Kreisen weiter zu den Menschen in Baden-Württemberg, in Deutschland, in den Ländern Europas, des Ostblocks, Asiens, Afrikas, Süd-, Mittel- und Nordamerikas. Es dauerte eine ganze Stunde , und ich bete es seitdem jeden Tag.
Danach ging ich zu den anderen in die Weinstube. Pfarrer Dietler kam auf mich zu und sagte: "Heute Nacht geht es los". Ich fragte: "Was denn?" Er sagte: "Das mit der Sprachengabe". So wartete ich im Bett darauf, daß es losgeht. Tatsächlich schwammen nach einiger Zeit unverständliche Silben und Laute in meinem Kopf herum, aber ich war so müde, daß ich einschlief. Am nächsten Morgen fiel mir ein, daß Pfarrer Dietler gesagt hatte, manchmal beginnt es auch beim Duschen. So stellte ich mich eine Stunde unter die Dusche, aber es kam nicht wieder. Nach dem Mittagessen legte ich mich ins Bett – schließlich hatte ich zwei Nächte lang nur wenig geschlafen – und auf den Nachttisch einen Zettel und einen Bleistift. Ich dachte, wenn es wiederkommt, schreibst du es auf. Tatsächlich kamen mir nach einiger Zeit wieder Silben und Worte in den Sinn, und weil ich sie aufgeschrieben habe, weiß ich sie heute noch: O athana, o maran athana. Ganz erfreut ging ich mit dem Zettel zu einem Pater, der auch am vorangegangenen Abend die Geisttaufe empfangen hatte. Er sagte: "Das ist doch ganz einfach, das sind die letzten Worte aus der Bibel >O maranatha, unser Herr kommt<". Er hatte sozusagen die Auslegung dazu. Auf dem Weg nach Hause, allein auf der Autobahn, fiel mir ein, daß Pfarrer Dietler gesagt hatte, es geht auch beim Autofahren ganz gut. Mit dem Verstand fährt man Auto, man muß ja auf den Verkehr achten, und mit dem Geist betet man in einer neuen Sprache, ohne darauf zu achten, was man sagt. Schließlich ist es ja der Heilige Geist, der einem die Worte eingibt, und man versteht sie sowieso nicht. So begann ich zu reden, ohne darauf zu achten. Erst nach einigen Minuten merkte ich, daß ich tatsächlich in einer Sprache redete, die ich nicht verstand. Ich freute mich darüber, betete weiter in dieser Sprache und begann sogar zu singen in dieser Sprache mit freien Melodien, wie der Geist sie eingab. So kam ich zu Hause an ganz >erbaut<, wie Paulus sagt in 1 Kor 14,4, d.h. ich schwebte wie auf Wolken, und meine Frau erkannte mich kaum wieder. Voller Begeisterung berichtete ich in den nächsten Tagen von diesen neuen Erfahrungen im Bildungszentrum in Ziegelhausen, im Charismatischen Gebetskreis und im Familienkreis 1 unserer Pfarrgemeinde entsprechend dem Bibelvers >wovon das Herz voll ist, davon läuft der Mund über<. Ich dachte, nachdem ich nun endlich diesen Durchbruch geschafft habe, müssen die anderen es auch. Doch die Reaktionen waren ziemlich kühl. Im Familienkreis sagte eine Frau sogar: "Ach wissen Sie, ich war auch schon in Exerzitien, das legt sich wieder". Jetzt im Rückblick kann ich jedoch sagen daß dieses Seminar in Schloß Craheim für mich tatsächlich der Beginn eines neuen Lebens in täglicher Verbindung mit Gott, mit Jesus und im Heiligen Geist gewesen ist, ein Leben voller Abenteuer, ein erfülltes und ein schönes Leben.
Nach Weihnachten war auch meine Frau soweit, daß sie ihr Leben Jesus übergab und mit sich beten ließ um Erfüllung mit dem Heiligen Geist und allen seinen Gaben. Im April 1976 fuhren wir beide nach Paderborn zum Gebetskreis von Prof. Heribert Mühlen. Dort wurden verschiedene Nöte im Gebet vor Gott gebracht, und Gott antwortete durch mich mit einer Prophetie (in der Ich-Form). Prof. Mühlen entschuldigte sich bei uns, daß wegen der Osterferien so wenig Leute gekommen waren; für mich war das aber ein ganz besonderer Abend, weil ich da zum ersten Mal eine Eingebung von Gott an andere weitersagen durfte.
In den wöchentlichen Familienbibelstunden, die wir seit Januar zu Hause durchführten, hat ein Kind nach dem andern sein Leben Jesus übergeben und mit sich beten lassen um Erfüllung mit dem Heiligen Geist und allen seinen Gaben. So fuhren wir als komplett geisterfüllte Familie mit vier Kindern vom 04.-07.06.1976 zum Pfingsttreffen der Katholisch-Charismatischen Gemeindeerneuerung nach Königstein im Taunus. Ungefähr 400 Leute waren aus ganz Deutschland angereist, und wir wurden von vielen bestaunt. Wir bekamen guten Kontakt zu der Gebetsgruppe aus Karlsruhe unter Leitung von Renate Wellen. Den Lobpreis leitete Pater Hubertus Tommek SJ aus Berlin; Ansprachen und Predigten hielten u.a. Prof. Dr. Heribert Mühlen aus Paderborn, Prof. Dr. Norbert Baumert SJ aus Frankfurt und Prof. Dr. Otto Knoch aus Passau, Leiter des Kath. Bibelwerks und der Einheitsübersetzung. Bei den stundenlangen Meßfeiern waren nicht nur die Lobpreislieder wunderschön, sondern auch der Sprachengesang, oftmals gefolgt von prophetischen Worten. Wie viele andere haben auch wir fast alles auf Kassette aufgenommen, und in den Pausen ging es im Freien weiter mit dem Singen. Damals hieß es, einen Charismatiker erkennt man an den Ringen unter den Augen (weil er so wenig zum Schlafen kommt) und am Kassettengerät unter dem Arm. In der Kapelle des Priesterseminars der Ostpriesterhilfe wurde auch mit einzelnen gebetet unter Handauflegung. Meine Frau ging hinein um mitzubeten, doch nach kurzer Zeit kniete sie selbst am Altar, und ein Priester legte ihr die Hände auf. Dabei erkannte er, daß sie noch viele innere Verletzungen hatte von Eltern, Bruder, Lehrern. Diese Verletzungen kamen alle hoch wie Steine, und meine Frau konnte alles verzeihen, während sie im Geist ruhte. Wenn sie bisher im Gebetskreis nicht einmal einen Satz laut beten konnte, so war sie nach diesem Erlebnis innerlich so geheilt, daß sie jetzt auch frei beten konnte.
Am 27.10. besuchten wir zum zweiten Mal den Gebetskreis von Prof. Mühlen in Paderborn. An diesem Abend berichteten Paderborner Jugendliche, was sie bei ihrem Herbstferieneinsatz auf Einladung von Herrn Pietuchowski in Heidelberger Schulen erlebt hatten. Zur Abrundung des ganzen aus Heidelberger Sicht bot ich an, auch mein Zeugnis zu geben. Alle Beiträge wurden – wie bei Charismatikern so üblich – von Prof. Mühlen auf Tonband aufgenommen. Kurz vor Weihnachten rief mich Prof. Mühlen an und sagte, er habe, mein Einverständnis vorausgesetzt, mein Zeugnis etwas gekürzt auf die achte noch leere Kassettenseite seiner Tonbandreihe "Einübung in die christliche Grunderfahrung" aufgenommen, und er wolle mir nun diese Kassettenserie zu Weihnachten schenken. Auf diese Weise wurde mein Zeugnis in ganz Deutschland verkauft, und es gab noch nach Jahren Menschen, die zu mir sagten: "Ihre Stimme kenne ich doch, ach ja, von der Kassette".
Am Tag danach fuhren meine Frau und ich zur "Charismatischen Begegnung" der "Geschäftsleute des vollen Evangeliums Internationale Vereinigung" (heute FGBMFI – Christen im Beruf) nach Braunschweig in die Stadthalle mit ca. 400 Besuchern. Eindrucksvolle Zeugnisse gaben dort Pastor Volkhard Spitzer aus Berlin und der kath. Priester Karl Sendker. Demos Shakarian, der Gründer und Präsident der FGBMFI, sprach ebenfalls. Als er den Gang entlang auf seinen Platz zurückging, sah er mich an, ich stand auf, und er kam auf mich zu und umarmte mich. Seltsam, es war eine geistgeleitete, für mich richtungweisende Begegnung, denn er kannte mich überhaupt nicht. Ich war zwar Mitglied im Chapter Viernheim, die Gründung der Gruppe Heidelberg und meine Wahl zum Chapter-Leiter folgten jedoch erst im März 1977.
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